Du möchtest dein Baby mit Blick nach vorne tragen, damit es mehr sieht? Erfahre hier, warum das ungesund für Rücken und Hüfte ist und welche Alternativen es gibt.
Dein Kind wird immer neugieriger und will die Welt entdecken? Es ist total verständlich, dass du das Bedürfnis deines Babys, mehr sehen zu wollen, erfüllen möchtest. Dennoch ist das Baby mit Blick nach vorne tragen für die kindliche Entwicklung nicht ideal. Als Herstellerin von Babytragen und Trageberaterin empfehle ich diese Position daher ausdrücklich nicht.
Hier sind die drei wichtigsten Gründe, warum du auf die Blickrichtung nach vorn verzichten solltest und welche ergonomischen Alternativen es gibt.
1. Fehlende Ergonomie: Das Hohlkreuz-Problem
Wenn du dein Baby mit Blick nach vorne trägst, wird es durch deinen eigenen Körperbau automatisch in ein Hohlkreuz gedrückt. Das ist eine völlig unnatürliche Haltung für ein Baby (und auch für jeden Erwachsenen).
Die Wirbelsäule deines Babys ist zu Beginn noch nicht gestreckt, sondern entwickelt sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres von der C-Form zur Doppel-S-Form. Den für die Entwicklung in diesem Stadium wichtigen leicht gerundeten Rücken erreichst du nur durch das Tragen Bauch an Bauch.
2. Gefahr für die Hüftentwicklung, wenn du dein Baby mit dem Blick nach vorne trägst
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Beinhaltung. Beim nach vorne gerichteten Tragen ist keine Anhock-Spreiz-Haltung möglich. Diese Haltung wird von Orthopäd:innen für eine gesunde Hüftentwicklung dringend empfohlen. Stattdessen hängen die Beine des Babys oft gerade nach unten, was den Druck auf die noch unreifen Hüftgelenke erhöht.
3. Reizüberflutung ohne Rückzugsort
Stell dir vor, die ganze Welt strömt ungefiltert auf dich ein. Wenn du dein Baby mit Blick nach vorne trägst, fehlt ihm jede Möglichkeit, sich vor Reizüberflutung zu schützen.
- Es kann sich nicht bei dir anlehnen.
- Dein beruhigender Herzschlag und Geruch sind nicht unmittelbar präsent.
- Es kann den Blick nicht abwenden, wenn es ihm zu viel wird.
- Es kann dich nicht sehen.
Die Folge ist oft ein unruhiges, weinendes Baby am Abend, das die Eindrücke des Tages erst mühsam verarbeiten muss.
Übrigens: Auch für dich ist diese Position meist unangenehm. Durch die Lage des Kindes verlagert sich der Schwerpunkt nach vorne, was zu deutlich mehr Zug auf Nacken und Schultern führt.
Bessere Alternativen: Mehr sehen, gesund wachsen
Dein Baby will mehr sehen? Das ist ein toller Entwicklungsschritt! Anstatt das Baby mit Blick nach vorne zu tragen, gibt es zwei ergonomische Lösungen, die das Sichtfeld erweitern, ohne der Gesundheit zu schaden:
- Das Tragen auf der Hüfte: Schon ab der Geburt (oder sobald die Kopfkontrolle besser wird) ist das Tragen auf der Seite eine wunderbare Option. Dein Kind sieht nach vorne und nach hinten, kann sich aber jederzeit an dich kuscheln.
- Das Tragen auf dem Rücken: Sobald dein Baby eine gute Kopfkontrolle hat, ist der Rücken der perfekte Ort für kleine Entdecker. Von dort oben hat es den „Logenplatz“ über deine Schulter hinweg, bleibt aber in einer ergonomischen Anhock-Spreiz-Haltung.
Warum du dein Baby nicht mit Blick nach vorne tragen solltest: Fazit
Das Bedürfnis deines Kindes nach Input ist wichtig, aber die Gesundheit von Wirbelsäule und Hüfte sind es ebenfalls. Mit dem Tragen auf dem Rücken oder der Hüfte schlägst du die Brücke zwischen Neugier und Ergonomie.
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Hier gehts es zum Blogbeitrag übers Rückentragen!